Odenwaldklub
Groß-Zimmern e.V.

wandern mit dem Odenwaldklub


Darmstädter "Limes"
"Todesstreifen" zwischen Darmstadt und Groß-Zimmern?

forst-, jagd- und territorialgeschichtliche Wanderung entlang uralter Grenzen
und quer durch den Wildpark Kranichstein.

Wann: Sonntag, 27.01.2019,
Treffpunkt: 09:00 Uhr Abfahrt in Groß-Zimmern, an der Bushaltestelle Friedensschule
Streckenlängen: 12 bzw. 13.5 km keine Steigungen; es gibt nur eine Wandergruppe.
Einkehr zur Schlussrast: Oberwaldhaus etwa gegen 14:00 Uhr
Fahrpreis: 4 € für OWK-Mitglieder und auch für Gäste, die wie immer herzlich willkommen sind.
Rückankunft in Groß-Zimmern: etwa gegen 17:30 Uhr

Wanderführung: Helmut Kriha und Hans-Jürgen Badior
Anmeldung: bis Donnerstag, 24.01.2019, 20:00 Uhr bei: Familie Badior,
Tel: 06071 42440 oder E-Mail irene-hj.badior@t-online.de


Start am Bessunger Forsthaus (Jugendhof)
Unsere Wanderung beginnt am Bessunger Forsthaus und führt uns durch Wald und Wiesen und vorbei an der jungsteinzeitlichen Menhiranlage an der Hirtenwiese bis zur Scheftheimer Eiche. Dort stoßen wir auf den Brunnerweg, einer uralten Ortsverbindung zwischen Darmstadt und Roßdorf. Die Familie des Fürstlichen Park- und Zaunknechts Brunner war hier namensgebend. Über mehrere Generationen wohnten die Brunners im 18. Jhdt. im Scheftheimer Falltorhaus, auch Brunnershaus genannt, und bewachten die Grenze zwischen dem damals noch viel größeren Darmstädter Wildpark und dem Dieburger Markwald, der bis 1812 von acht Gemeinden genossenschaftlich bewirtschaftet wurde. Die Brunners siedelten später nach Groß-Zimmern über und sind die Vorfahren der bekannten Baumschulendynastie.

Jungsteinzeitliche Menhieranlage an der HirtenwieseJungsteinzeitliche Menhiranlage an der Hirtenwiese.

Die alte Landwehr
Die alte Landwehr, ein Grenzmarkierungs- und Verteidigungswerk, wurde vor ca. 800 Jahren unter den Grafen von Katzenelnbogen gebaut und begrenzte ihr Herrschaftsgebiet östlich und nördlich von Darmstadt. Landwehren entstanden damals überall im Reich und sind heute, vor allem in den Wäldern, noch sichtbar. Die Grenzwälle waren dicht mit Hainbuchen bepflanzt, die parallel laufenden Gräben oft geflutet. Es gab bewachte Durchlässe für die Landstraßen, an denen Zoll erhoben wurde. Zwischen der Scheftheimer Eiche und dem Einsiedel werden wir längs der Landwehr und auch auf dem Damm selbst wandern. Zur Grenzbefestigung gehörte auch ein freies Vorfeld, ähnlich dem Todesstreifen an der innerdeutschen Grenze. Die Reste dieser offen gelassenen Wiesen sind heute für das Ökosystem Wald von besonderer Wichtigkeit.

TodesstreifenZur damaligen Grenzbefestigung gehörender ehemaliger "Todesstreifen"

Kranichsteiner Wildpark und die Hobbys des Adels
Am Forsthaus Einsiedel queren wir die Landstraße nach Dieburg und betreten durch eine Toranlage den heutigen Kranichsteiner Wildpark. Bevor wir uns auf der Kernschneise dem Jagdschloss nähern, machen wir noch einen Abstecher zum größten und mit ca. 800 Jahren ältesten Baum Südhessens, der Stadtförstereiche. Im Jahr 2005 fiel der Veteran um und zerfällt seither. Auf dem Weg durch die Hengstriedwiese sehen wir an den Schautafeln, wie früher gejagt wurde: Bis zu 2.000 arme Bauern und Handwerker aus den umliegenden Dörfern mussten tagelang das Wild aus dem riesigen Gebiet zusammentreiben, um dem Hofadel und seinen Gästen einen bequemen Abschuss zu ermöglichen.

Jagdschloss KranichsteinJagdschluss Kranichstein, von hier führte ein schiffbarer Kanal zum Oberwaldhaus; heute am Graben zu erkennen.

Zwischen dem Jagdschloss und dem Schlossteich führt uns der Weg dann durch das "Sorgenlos", einem früheren Lustgarten bis zum Oberwaldhaus am Steinbrücker Teich. Dieser war früher mit dem Schlossteich durch einen Kanal verbunden, auf dem nach dem dreißigjährigen Krieg die damalige Landgräfin und ihr Hofstaat auf Barken und mit Musikbegleitung durch den Park schipperten. Noch heute ist der mehrere Meter tiefe und in Fronarbeit ausgehobene Kanal gut sichtbar.

Im Oberwaldhaus machen wir gegen 14:00 Uhr unsere Schlussrast. Die dann zurückgelegte Strecke beträgt ca. 12 km. Wer alle drei Abstecher vom Weg mitläuft, kommt allerdings auf fast 14 km.