Odenwaldklub
Groß-Zimmern e.V.

wandern mit dem Odenwaldklub

Wanderbares Zimmern regional, Teil 5

Römer und Ritter im Odenwald

Autorin: Monika Ebert

KURZGEFASST:

Streckenlänge: ca. 16 km

Abkürzung: Ab Parkplatz Kellergrund ca. 12 Kilometer

Auf– und Abstieg: je 330 m

Start und Ziel: Groß-Umstadt Heubach, Straße Am Turnplatz

Anforderungen: Die Wanderung ist mittelschwer. Die Wege sind sehr gut begehbar und mit Klartext-Wegweisern ausgeschildert. Wanderschuhe, Getränke und Proviant sind erforderlich. Man sollte mindestens fünf Stunden einplanen.

Einkehr: Burgschänke auf der Burg Breuberg (Corona bedingt geschlossen)

HIGHLIGHTS:

Ortszentrum Heubach
idyllischer Pferdsbach
Heinrich-Rauch-Quelle
Wamboltsches Schlösschen (Ausgrabungen aus der Römerzeit)
Grenzstein „Viermärker“
Burg Breuberg

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Start in Heubach

Geschichte, Kultur und Natur mit dem Wandern zu verbinden, das macht nicht nur für den Odenwaldklub Groß-Zimmern den besonderen Reiz einer Wanderung aus. Die Strecke zwischen Heubach und der Burg Breuberg hat viel davon zu bieten. Und es sei gleich vorweggenommen: Die Burg Breuberg kann besichtigt werden, nur Museum und Gastronomie sind Corona bedingt geschlossen.

START IN HEUBACH
Um zum Ausgangspunkt der vorgeschlagenen Wanderung zu kommen, muss man nicht weit fahren. Heubach ist das Ziel, wo man am Weltkriegsdenkmal von der Hauptstraße rechts in die Forsthausstraße abbiegt. Nach wenigen Metern kommt links die Straße Am Turnplatz, und dort kann das Auto zurückgelassen werden.

Vom Parkplatz ist es nur eine kurze Strecke bis zu den letzten Häusern von Heubach. Dort beginnt ein befestigter Wanderweg, an dem nach wenigen Hundert Metern auf der linken Seite ein Wassertretbecken zum Verweilen einlädt; empfehlenswert natürlich nur bei wärmeren Temperaturen. Der Weg führt geradeaus weiter am idyllischen Pferdsbach entlang. Das Bächlein plätschert in endlosen Windungen durch Bäume, Sträucher, Moosbänke und Wiesen mit Buschwindröschen, Veilchen und anderen Frühlingsblühern. Weite Ausblicke in die liebliche Landschaft sind trotzdem möglich und machen die circa zwei Kilometer bis zum Parkplatz Kellergrund zu einem wunderschönen Frühlingsspaziergang.

Von dort führt der Weg zur Burg Breuberg rechts in den Wald hinein. Die gesamte Strecke ist an jedem Abzweig sehr gut mit Wegweisern beschildert, so dass man die Vielzahl der Wanderzeichen außer Acht lassen kann.

Gleich zu Anfang liegt auf der linken Seite ein stiller Teich. Unweit davon ist im Wald die Heinrich-Rauch-Quelle versteckt, an der der Rückweg vorbeiführt. Der gut ausgebaute Weg durch den Wald geht nun stetig leicht bergauf. Die Stille ist greifbar und wird nur von Vogelstimmen unterbrochen. Die Artenvielfalt soll erhalten bleiben, das zeigt die große Anzahl von Nistkästen an den Bäumen. Deren unterschiedliche Einfluglöcher geben Rätsel auf, welcher Vogel der jeweilige Bewohner sein

AUF DEN SPUREN DER RÖMER
Dem Weg folgend wird nach etwa zwei Kilometern der höchste Punkt erreicht, der Rastplatz Heidestock. Eine überdachte Hütte lädt zum Verschnaufen ein. Der breite Weg am Heidestock vorbei ist die alte römische Frankfurter Straße. Wie der Name sagt, kommt sie aus Frankfurt und führt weiter in den Odenwald. Zwar zweigt nach wenigen Schritten vom Heidestock der Weg zur Burg links ab, aber man sollte sich die Ausgrabungen von Resten aus der Römerzeit nicht entgehen lassen. Dazu ist ein Abstecher von circa 400 Metern geradeaus erforderlich. Linker Hand sieht man so die Grundmauern einer alten römischen Villa, des sogenannten Wamboltschen Schlösschens. Infotafeln berichten über geschichtliche Hintergründe und das Alltagsleben der Römer in der damaligen Zeit. Diese Anlage im Hinterland des Limes könnte ein römischer Gutshof (Villa Rustica) oder eine Straßenstation gewesen sein. Ist der Wissensdurst gestillt, geht es entweder auf dem gleichen Weg zurück bis zum Abzweig oder aber man nimmt den Trampelpfad, der diagonal durch den Wald führt. Nach circa 600 Metern erreicht er den breiten Wanderweg und man biegt nach rechts ab, um den Weg Richtung Burg Breuberg fortzusetzen.

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Auf zum Breuberg

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Erlenhof

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Grundmauern einer alten römischen Villa, des sogenannten Wamboltschen Schlösschens

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Burg Breuberg

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Burg Breuberg


INTERESSANTES AM WEGESRAND

Burg Breuberg: Hier gaben sich viele Adelsgeschlechter die Klinke in die Hand.

Die Burg Breuberg wurde im 12. Jahrhundert als fuldisches Lehen gegründet. Ihr guter Erhaltungszustand macht sie zu einer der eindrucksvollsten Burganlagen in Südhessen und im Odenwald. Ihre wechselvolle Geschichte zeigt sich auch an den unterschiedlichen Architekturstilen der einzelnen Gebäude. Nachdem über lange Zeit eine Vielzahl von Adelshäusern Eigentümer der Burg waren, ist dort am Ende des 19. Jahrhunderts eine Spielzeugfabrik gegründet worden. 1919 wurde sie vom Deutschen Jugendherbergswerk erworben; auch heute befindet sich eine Jugendherberge in der Burg. Von 1943 bis 1945 waren Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter auf der Burg untergebracht, die in Industrie und Landwirtschaft des Breuberger Landes ausgebeutet wurden. Eine Tafel direkt am Burgtor erinnert daran.

GERADEWEGS ZUM BURGBERG
Geht man vom Wamboltschen Schlösschen den gleichen Weg zurück, biegt man am Abzweig nach rechts ab. Bis zur Burg sind es nun noch circa drei Kilometer zu bewältigen. Am linken Wegrand findet sich bald ein Grenzstein, ein sogenannter „Viermärker“. Wer ihn auf dem Hinweg verpasst, kann ihn sich auf dem Rückweg (dann rechter Hand) genauer ansehen. Hier treffen vier Gemarkungen aufeinander, was im Odenwald sehr selten ist. Es sind dies die Gemarkungen Umstadt, Wald-Amorbach, Hainstadt und Breuberg. Heute verläuft hier die Grenze der Landkreise Darmstadt-Dieburg und Odenwald.

Es geht leicht bergab und bergauf weiter durch den Wald. Auf der rechten Seite ist die zu Sandbach gehörende MEDIAN-Klinik zwischen den Bäumen zu erkennen (früher Ernst-Ludwig-Heilstätte). Das letzte Stück führt nur noch bergab und endlich kommt die Burg Breuberg in Sicht. Allerdings sieht man von hier aus nur den Bergfried aus den Bäumen herausragen. Ein Grund mehr, den Burgberg zu ersteigen – es lohnt sich! An einem Jugendzeltplatz vorbei wird die „Gustavsruhe“ erreicht, ein Aussichtspunkt, der gleichzeitig auch Parkplatz ist.

Der wohl schönste Weg zur Burg hinauf ist der „Eselsweg“, ein historischer Transportweg zur Wasserversorgung der Burgbewohner. Ihm folgend kann man gleich zu Anfang einen weiten Blick ins Tal und auf Hainstadt genießen. Das Wertheim-Löwensteiner Hofgut „Wolferhof“ wird gleich danach passiert. Es wurde im 12. Jahrhundert errichtet. Seine Schafe dienten zur natürlichen Freihaltung des Burgberges. Der schöne Waldweg endet dann abrupt an einer Treppe nebst Riesenrutsche. Ist die Treppe bewältigt, steht man auch schon vor der Burg. Das Burgmuseum kann momentan nicht besichtigt werden. Jedoch lohnt sich ein Rundgang durch die weitläufigen Burganlagen auf jeden Fall! Und die Ausblicke auf die weite Landschaft, auf Höchst, Sandbach und Breuberg sind grandios.

ÜBER DIE HEINRICH RAUCH QUELLE ZURÜCK NACH HEUBACH
Für den Abstieg von der Burg nimmt man wieder die Treppe hinunter zum Eselsweg. In seinem Verlauf sollte man auch mal nach oben schauen, denn dort befinden sich an den Bäumen Kästen für Fledermäuse, die es hier offensichtlich in größerer Zahl gibt. Auch Spechte gehen hier zahlreich ihrer Berufung nach, man kann es hören!

Für die nächsten etwa vier Kilometer ist der Rückweg identisch mit dem Hinweg; Zeit, um die Eindrücke vom Burgrundgang zu verarbeiten. Nachdem man am Heidestock wieder links abgebogen ist, wird nach wenigen Minuten eine Blockhütte auf der rechten Seite sichtbar. Hier biegt man unmittelbar danach in eine Rechtskehre ein, passiert die Blockhütte und biegt nach circa 150 Metern links ab. Dieser Weg führt direkt zur bereits erwähnten Heinrich-Rauch-Quelle, die sehr idyllisch im Wald plätschert. Das Wasser ist begehrt, denn sie soll erstklassiges Trinkwasser bieten. Auch von weiter her kommen Menschen, um sich damit zu versorgen. Kosten sollte man es auf jeden Fall!

Um zum Parkplatz Kellergrund zu kommen, benutzt man den Trampelpfad durch den Wald, vorbei an dem stillen Teich mit Enten und einer Insel. Am Parkplatz hat man die Wahl, den Weg am Pferdsbach zurück zu nehmen oder den Pferdsbach zu überqueren und am „Erlenhof“ vorbei links den asphaltierten Fahrweg zu benutzen. Er führt durch Wald und an einzelnen Gehöften vorbei nach etwa zwei Kilometern zu den ersten Häusern von Heubach. Hier warten das Auto und die wohlverdiente Ruhe nach dieser abwechslungsreichen Wanderung.

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Burg Breuberg Eingangstor von innen

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Fledermaus-Kasten

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Heinrich Rauch Quelle

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Burg Breuberg Eingangstor

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Burg Breuberg

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Blick auf Hainstadt


Kartenausschnitt mit eingezeichneter Wanderstrecke:

GPS-Track zum Download:

Download der Datei "Heubach-Breuberg.gpx"
oder
Den Track auf Open-Streetmap-Karte ansehen

Höhenprofil:

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Heubach-Breuberg-Karte.jpg